Das Nest des Glücks

a small bird sitting in the middle of a nest

Goldenes Nest, Kuckucksnest- gibt es das?

Tief in dem dunkelsten Wald des drei Zinnen Gebirges im Königreich Solemna Risus, dort, direkt neben dem moorigen Teich, wo Hase und Igel sich „Gute Nacht“ sagen und die Waldgeister ungeniert kichern und sich balgen und die Elfen besonders in warmen, schwarzen Nächtens lichterreich ihre Träume tanzen.

Dort begab es sich vor langer ,langer Zeit, ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen, dass sich eines Morgens, hoch in den Zweigen eines Laubbaumes ein männliches Rotkehlchen und ein Rotkehlchenweibchen begegneten. Sie war aus des Königs Garten entwischt, in dem ihr gar schon langweilig geworden war – tagaus tagein zum Vergnügen der Adelsleute und vor allem des Königs zu singen. Und im Wald erblickte sie der dreiste Rotkehlchenmann und ward sogleich, als er sie sah, verzückt. Sie tanzten und sangen miteinander, bis es dunkel wurde..und sponnen mit diesem lebendigen Liebesband die Grundlagen für ein sicheres, warmes Nest.
Jeden Morgen, wenn es taute, und die ersten Sonnenstrahlen darauf fielen, wandelten sie die strohigen Gräser darin in Gold.
Und in diesem Nest fanden sich auch schon im Mai die ersten Eier.

Zu etwa der gleichen Zeit flog ein anderes Vogelweibchen hochschwanger durch die Baumwipfel, es war höchste Zeit, dass sie irgendwo ein Nest fände, denn sonst wäre ihre Brut verloren. Ihre Eltern kümmerten sich nicht um sie und boten ihr keinen Schutz,auch ihr Männchen unterhielt lieber die edlen, kichernden Damen am Hofe des Königs mit seinem durchdringend, klaren Ruf aus dem Wald.
Da erblickte sie heilfroh das güldene Nest, und, als niemand herschaute, legte sie ihr Ei zu den anderen und flog wieder davon, in der Hoffnung, dass in diesem Zuhause gut gesorgt würde für ihr Kind.

Und es sollte sich bewahrheiten, in dem liebevoll gehegtem Nest ward das grosse, gefleckte Ei gut warm gehalten mit dem fürsorglichen Elternpaar. Ein mit Liebe gefülltes Nest, in dem alsbald schon die kleinen Rotkehlcheneier knacksten und sich kahle Köpfchen den warmen Sonnenstrahlen entgegenräkelten.
Doch das grosse Ei blieb zu aller Sorge der Eltern geschlossen.
Der Rotkehlchenpapa beruhigte seine Frau mit den Worten: „Gut Ding braucht eben Weile“..und.. „Was lange währt, wird gut“.. und..sie hatten schon alle Hoffnung verloren und trugen Trauer im Herzen, als, endlich, drei Tage später nun auch dieses Kind schlüpfte.

Die nun schon etwas weiter entwickelten Geschwisterchen blickten verdutzt auf ihr neues Brüderchen und ab nun wurde auch mit ihm das Essen geteilt.
Prinzipiell war ja genug zu Essen da, nur mussten nun Vater und Mutter länger wegbleiben, um auch diesen, vergleichsweise grossen Schnabel zu füllen.
Sie taten es gerne, doch, als sie eines windigen Tages von der Futterbeschaffung heimkehrten, erschraken sie.

Sass doch nur mehr ein Kind in ihrem Nest und sperrte weit den Schnabel auf. Alle anderen Jungvögelchen lagen am Waldboden oder im Geäst verstreut.
Kopfschüttelnd und traurig beklagten die liebevollen Eltern ihren Verlust. War es ein Räuber gewesen, der sich über ihr Zuhause hergemacht hat? Aber nein, da wären sie wohl gleich gefressen worden..ward es der Wind, der das Nest erschüttert hat? ..all ihre Fragen blieben unbeantwortet und es blieb ihnen auch nicht viel Zeit zur Trauer, da das eine, überlebende ihnen drängend den offenen Schnabel entgegenstreckte.

So sammelten sie sich und schworen sich, wenigstens dieses Kind nicht mehr aus den Augen zu lassen, ihn gut genährt und entwickelt auf seinen Lebensweg zu schicken.



Gewärmt, mal von Mutters oder Vaters dichtem Federkleid, mal von warmen Sonnenstrahlen und mit Sicherheit von Liebe. Dann wieder Stille. Krrracks, knacks.. dann wieder Stille.. und in die Stille eine Spannung und der Druck eines Wesens, das zu gross geworden ist für die zarte Gefühlsmembran, die ihn schützend umgab. Keine Zeugen, ganz allein und intuiliv- will es leben, so geht es nur in eine Richtung- Implosion der Seele undSprengung aller bisher gekannten Grenzen. Beiseite lassen der Komfortzone zugunsten der eigenen Entwicklung.

Und- nach dem ersten Schnäbelchen, sind nun auch weitere Risse und Knacksen zu hören. Bald zeigt sich sich nun auch auch schon ein Köpfchen, das erst viel zu schwer erscheint, für das Hälschen, das es stützt.

Mit großer Kraft gestemmt, streckt sich nun schon das ein oder andere der Sonne entgegen.

Wie wohlig warm sich nun auch das Nest bewährt, mit großer Sorgfalt und Kunstfertigkeit von güldenen Gräsern verschachtelt und gewebt .

Wie viel Herzblut nun die Tier-Geschwister hält , vermag man nur zu ahnen.

Einen Tag später, es hing noch frischer Morgentau an den Blättern, öffnete ein Piepmatz nach dem anderen die Augen.


..und erkannten, dass sie zu viert waren..doch was war denn das? Lag da nicht tatsäch